Die Faszination des Rings: Schmuck mit Geschichte
Es mag an der ursprünglich kreisförmigen, runden, geschlossenen Form liegen, die einen Ring leicht tragbar, zu den ältesten Schmuckarten der Menschheit macht.
Ob Ziergegenstand, Symbol oder Zahlungsmittel: der Ring will Außenwirkung erzeugen. Denn anders als ein oft im Verborgenen unter einer Bekleidung getragenes Amulette oder ein individueller Talisman, dessen Wirkung sich nur dem Träger gegenüber entfalten möge, offenbart sich ein Ring am Finger getragen, auch der Außenwelt.
Ursprünge und Bedeutung: Ringe durch die Menschheitsgeschichte
Prähistorische Funde: Die Ursprünge der Ringkultur
Prähistorische Funde in Mitteleuropa belegen eine über 21.000 jährige Geschichte des Ringes. Doch auch in anderen Frühkulturen war der Ring ein omnipräsentes und vielfältig erzeugtes Schmuckstück.
Vom Knochen bis zum Edelmetall: Materialien und frühes Handwerk
Zu den ersten zu Ringen verarbeiteten Rohstoffen zählen Knochen, Horn und Elfenbein. Diese Materialien weisen einen wachstumsbedingten Hohlraum auf. Auf Grund der geringen Härte lassen sich diese Materialien mit einfachen Werkzeugen aus Stein teilen und bearbeiten und zu Ringen verarbeiten.
Die Entwicklung entsprechender Werkzeuge und handwerklicher Fertigungstechniken ermöglich die Erzeugung von Ringen aus Holz, Stein und schließlich auch aus Metall.
Antike und Mittelalter: Ringe als Macht- und Statussymbole
Meisterwerke der Antike: Vom Sumerer bis zum alten Ägypten
Die antike Hochkultur der Sumerer in Mesopotamien zwischen Euphrat und Tigris fertigten bereits um 4000 vor unserer Zeitrechnung Ringe aus Goldlegierungen an. Etwa zeitgleich sind Ringe im Alten Ägypten der prädynastischen Zeit bekannt, wo sie als Grabbeigaben den Übergang ins Jenseits dienten. Der Ring war nicht Selbstzweck, sondern diente der Religion und dem Glauben.
Ringe als Zahlungsmittel: Bronze, Kupfer und „Schmuckgeld“
Nördlich der Alpen galten um 2150- 1700 v Chr Metallringe aus Bronze und Kupfer mit einem standardisierten Gewicht von knapp unter 200 g und annähernd gleicher Form als wichtiges historisches Zahlungsmittel.
In den keltischen römischen Kulturen zwischen ca 700 v.Chr-400 n.Chr waren Ringe als „Schmuckgeld“ aus Eisen in Gebrauch.
Ringe in der Antike: Farbpracht, Steine und gesellschaftlicher Rang
Ringe als reine Schmuckobjekte waren in der Antike oft mit farbigem Glasschmelz oder Steinen verziert. Das sich über das Mittelmeer bis nach Asien erstreckende römische Reich lieferte wertvolle und vorallem farbenprächtige Edelsteine, die auch in Ringen verarbeitet wurden und Reichtum und Wohlstand signalisierten. Vielfach waren diese Steine vertieft geschnitten und erfüllten als Intaglio die Funktion eines Siegelringes. So konnten Schriftstücke, deren Inhalt sich nur dem Adressaten offenbaren sollte, verschlossen werden und identifizierten zuverlässig den Absender.
Dem Ring kam in der griechischen und römischen Antike eine bedeutende Rolle als wichtiges Symbol für Wohlstand, Besitz und Bindung zu. Als Pfand der Liebe – Pignus amoris habes- markiert der Ring nach Außen den Übergang der Frau vom Besitz des Vaters in dem ihres Mannes. Je nach verwendetem Material, verarbeiteten Steinen und handwerklicher Gestaltung war der Ring in der klassischen Antike nun auch Darstellung von sozialem und gesellschaftlichen Rang. Neben familiären Schriftzügen, die eingraviert waren, galten verschränkte Hände oder der Herkulesknoten als beliebte Motive.
Doch die Antike kennt auch eine weitere Funktion von Ringen, die im Mittelalter an Bedeutung zunehmen: Ringe mit geheimen Fächern, die dazu dienen Gift, Medizien, Parfum oder andere sehr kleine Gegenstände unauffällig und geheim mit sich zu führen.
Kirchliche Macht und Symbolkraft: Bedeutung im Mittelalter und in der Neuzeit
Mit dem erstarken christlicher Religionen gewinnt der Ring auch auf kirchlicher Ebene Macht und Einfluss: der „Fischerring“ – der Ring des Papstes – symbolisiert seine Macht als Pontifex maximus. Im Mittelalter bis hin in die Neuzeit waren Ringe nicht nur Insignien der Macht für die herrschende Oberschicht. Ihre Symbolkraft verstärkte sich indem man Ringe auch als Talisman sah oder sie als rituellen Schmuck verstand.
Innovation und künstlerische Freiheit: Der Ring im Wandel der Zeit
Neue Welten, neue Edelsteine: Globale Handelswege und Reichtum
Die neuen Länder jenseits des Atlantik und verstärkten Handelswege nach Osten hin , lieferten immer wertvollere Steine, die zur Demonstration von Macht und Herrlichkeit zu Schmuckstücken verarbeitet wurden.
Innovation beim Handwerk: Verfeinerung und Individualität
Goldschmiede verfeinerten im Laufe der Jahrhunderte ihre handwerklichen Fertigkeiten und Ringe erhielten mehr und mehr Verzierungen durch Steinbesatz oft in Verbindung mit Email und Gravuren. Die Vorstellung über die Gestaltung eines Ringes rückt immer mehr – wenn auch nicht ausschließlich- in die Kompetenz des Schaffenden.
Platin und Diamanten: Luxusmaterialien erobern die Welt des Schmucks
Die Wahl des Materials wird umfangreicher und die Fertigung von Ringen obliegt nicht mehr rein dem Goldschmied oder Juwelier. Mit der Entwicklung des Knallgasgebläses Ende des 19 Jhd war es möglich geworden Plantin zu schmelzen und damit der umfangreichen Bearbeitung durch Juweliere zu ermöglichen.
Hochwertige Juwelen und Geschmeide in weißem Glanz des Materials entstanden und anders als das durch den Schwefelgehalt in der Luft immer wieder sulfidierende und damit optisch schwarz anlaufende Silber, war Platin das ideale Material für die Fassung : kein anderes Material erhellt und unterstreicht mehr den Glanz von Diamanten.
Kunst und Schmuck im Wandel: Jugendstil und neue Materialien
Zeitgleich entwickelt sich mit dem Art Nouveau/ Jugendstil auch das Interesse Kunstschaffender an Schmuck im Allgemeinen und Ringen im besonderen. Für sie dienen nicht mehr Edelmetalle wie Gold Silber oder Platin für die Herstellung von Ringen als Maßgeblich, sondern neue -aber historisch alte -Materialien wie Horn, Perlmutt, Koralle und Perlen werden wiederentdeckt.
Die Idee ist wesentlicher als der Wert des verwendeten Materials und das handwerkliche Niveau der Fertigung steht nicht unbedingt im Vordergrund. Wird in dieser Phase noch die Verschmelzung von Kunst und Alltagsobjekt erkennbar, so wird Schmuck Anfang der 1920iger Jahre von Künstlern wie Duchamps, Braques, Giacometti und Picasso als Ausdruck reiner künstlerischer Freiheit gesehen. Die künstlerische Idee steht nun im Vordergrund und nicht mehr die Symbolkraft für den Träger.
Der moderne Ring: Kunstwerk, Statement und Individualität
Je nach Ausdruckform und Wille des Künstlers wird der Ring zum konzeptuellen und Künstlerischen Medium und dient ihm als eine von möglichen Ausdrucksformen seines künstlerischen Schaffens. Die Idee organisches Material wieder zu verwerten entspricht dem Trend auf vorhandene Ressourcen zurückzugreifen und daraus tragbare Objekte zu schaffen, die den Vorstellungen des Künstlers entsprechen.
Der Käufer und Träger der geschaffenen Schmuckobjekte ist nicht mehr Auftraggeber, sondern Bote der künstlerischen Idee des Kunstschaffenden. Ringobjekte zeitgenössischer Künstler machen durch das Getragenwerden individuelles Körperbewusstsein sichtbar und bringen Botschaften der Kunstschaffenden nach außen, ohne dabei die persönliche Verbindung und Vorstellungskraft, die der Träger mit dem gewählten Ring entwickelt, zu beeinträchtigen.
Der Ring in der zeitgenössischen Schmuckkunst übernimmt gleichsam eine duale Funktion, in dem er auf der einen Seite visualisierter Ausdruck des Kunstschaffenden und auf der anderen Seite der Träger Bote der künstlerischen Idee wird und sich damit identifiziert.
Moderne Schmuckkunst: Ringe als Ausdruck von Persönlichkeit und Stil
Der moderne Ring: Kunstwerk, Statement und Individualität
Je nach Ausdrucksform und Wille des Künstlers wird der Ring zum konzeptuellen und Künstlerischen Medium und dient ihm als eine von möglichen Ausdrucksformen seines künstlerischen Schaffens. Die Idee organisches Material wieder zu verwerten entspricht dem Trend auf vorhandene Ressourcen zurückzugreifen und daraus tragbare Objekte zu schaffen, die den Vorstellungen des Künstlers entsprechen.
Der Käufer und Träger der geschaffenen Schmuckobjekte ist nicht mehr Auftraggeber, sondern Bote der künstlerischen Idee des Kunstschaffenden. Ringobjekte zeitgenössischer Künstler machen durch das Getragen werden individuelles Körperbewusstsein sichtbar und bringen Botschaften der Kunstschaffenden nach außen, ohne dabei die persönliche Verbindung und Vorstellungskraft, die der Träger mit dem gewählten Ring entwickelt, zu beeinträchtigen.
Der Ring in der zeitgenössischen Schmuckkunst übernimmt gleichsam eine duale Funktion, in dem er auf der einen Seite visualisierter Ausdruck des Kunstschaffenden und auf der anderen Seite der Träger Bote der künstlerischen Idee wird und sich damit identifiziert.
